Häuser an der Küste bei Lüderitz in der Abenddämmerung

Umgebung · 10 km

Lüderitz

Eine Stadt aus der Kaiserzeit am kalten Atlantik, zwischen Wüste und Wind. Lüderitz ist die Basis für Kolmanskop und selbst einen Tag wert.

Angra Pequena

Die Bucht war lange vor den Deutschen bekannt. 1488 ging hier der portugiesische Seefahrer Bartolomeu Dias an Land und setzte an der Landspitze südlich der Bucht ein Steinkreuz, den Padrão; eine Nachbildung steht heute am Diaz Point. Die Portugiesen nannten die Bucht Angra Pequena, „kleine Bucht“. 1883 kaufte der Bremer Kaufmann Adolf Lüderitz über seinen Bevollmächtigten Heinrich Vogelsang die Bucht und ein Stück Hinterland vom Nama-Kaptein Josef Frederiks, der berüchtigte „Meilenschwindel“, bei dem die Nama von englischen Meilen ausgingen und im Vertrag deutsche standen, fünfmal so lang. Lüderitz hoffte auf Bodenschätze, fand keine, musste 1885 an die Deutsche Kolonialgesellschaft verkaufen und ertrank 1886 auf einer Expedition am Oranje. Sein Name blieb. Den Diamantenrausch, der 22 Jahre später die Stadt reich machte, hat er nie geahnt.

Die Stadt

Lüderitz ist ein Ort, den man zu Fuß erlebt. Der Diamantenboom von 1908 hat der Stadt eine Innenstadt aus Jugendstil und wilhelminischen Fassaden hinterlassen, die zwischen Felsen und Bucht ungewöhnlich gut erhalten ist, weil nach 1930 so wenig Geld für Neubauten da war. Über allem steht die Felsenkirche von 1912 auf dem Diamantberg, mit Fenstern, die Kaiser Wilhelm II. gestiftet haben soll; sie ist nachmittags für Besucher geöffnet, und der Blick über die Bucht ist der beste der Stadt. Daneben das Goerke-Haus von 1910, gebaut für den Minenbeamten Hans Goerke, heute Gästehaus der Namdeb und teilweise zu besichtigen. Am Hafen das Woermann-Haus, die alte Handelsniederlassung, und der Bahnhof, den der Architekt Ziegler (der aus Kolmanskop) 1914 gebaut hat.

Das Lüderitz-Museum in der Diaz Street ist klein und altmodisch und deshalb sehenswert: Diamantenabbau, Bahn, Nama-Kultur, eine Vitrine zu Kolmanskop, viel über den Meilenschwindel. Auf dem Weg zum Hafen kommen Sie an der Schmiede Plietz vorbei, deren Gründer 1908 die Setzmaschine für die Diamantenwäsche erfand; sie existiert bis heute.

Shark Island

Die Halbinsel Shark Island (Haifischinsel) an der Hafeneinfahrt ist heute ein Campingplatz mit Leuchtturm und dem schönsten Blick der Stadt. Sie ist auch der Ort des dunkelsten Kapitels: Von 1905 bis 1907 betrieb die deutsche Kolonialverwaltung hier ein Konzentrationslager für Nama und Herero, in dem nach Schätzungen zwischen 1.000 und 3.000 Menschen an Kälte, Hunger und Zwangsarbeit starben, unter anderem beim Bau der Bahnstrecke nach Aus, an der ein Jahr später die Diamanten gefunden wurden. Eine Gedenktafel erinnert daran; die namibische Regierung hat das Gelände als Gedenkstätte ausgewiesen. Wer Kolmanskop besucht, sollte diesen Ort kennen.

Diaz Point und die Halbinsel

Die Lüderitz-Halbinsel westlich der Stadt ist eine Landschaft aus Granitfelsen, Lagunen und Buchten, erschlossen durch eine Schotterpiste, die für normale Pkw fahrbar ist. Am Diaz Point, 22 Kilometer von der Stadt, stehen das Dias-Kreuz und ein Leuchtturm; auf der vorgelagerten Halifax-Insel lebt eine Kolonie Brillenpinguine, die man vom Ufer aus mit dem Fernglas sieht. In der Großen Bucht liegen Wracks, an der Sturmvogelbucht die Reste einer norwegischen Walfangstation von 1914, und an den Lagunen stehen Flamingos. Rechnen Sie für die Runde einen halben Tag, und nehmen Sie die Windjacke mit; der Wind auf der Halbinsel ist noch einmal stärker als in der Stadt.

Austern, Fisch, Crayfish

Das kalte Wasser der Benguelaströmung ist nährstoffreich, und Lüderitz hat daraus ein zweites Standbein gemacht: Die Austern von hier gelten als die besten Namibias, dazu Langusten (Crayfish, mit Saison von November bis April) und frischer Fisch. Mehrere Restaurants am Hafen servieren das alles, und Bootstouren aus dem Hafen fahren morgens zur Halifax-Insel: Pinguine, Robben, mit Glück Delfine und Heaviside-Delfine, die es nur hier gibt.

Praktisch

Lüderitz hat rund 15.000 Einwohner, Tankstellen, Supermärkte, Geldautomaten, ein kleines Krankenhaus und ein Touristeninformationsbüro in der Bismarckstraße. Der Wind bestimmt den Tag: Vormittags ist es meist ruhig, nachmittags bläst es. Die Stadt ist ein Ort für zwei Nächte, eine für Kolmanskop am Morgen, eine für Halbinsel, Stadt oder eine Sperrgebietstour. Unterkünfte →

Häufige Fragen

Fragen zu Lüderitz

Wie weit ist es von Lüderitz nach Kolmanskop?

Kolmanskop liegt 10 Kilometer östlich von Lüderitz an der B4, etwa zehn Minuten mit dem Auto. Lüderitz ist deshalb die übliche Basis für den Besuch.

Was kann man in Lüderitz an einem Tag sehen?

Die Jugendstil-Innenstadt aus der Diamantenzeit mit Felsenkirche und Goerke-Haus, das Lüderitz-Museum, Shark Island und die Halbinsel mit Diaz Point, wo eine Kolonie Brillenpinguine auf der Halifax-Insel lebt. Für die Halbinselrunde sollte man einen halben Tag rechnen.

Was ist auf Shark Island in Lüderitz passiert?

Von 1905 bis 1907 betrieb die deutsche Kolonialverwaltung auf Shark Island ein Konzentrationslager für Nama und Herero, in dem nach Schätzungen zwischen 1.000 und 3.000 Menschen starben. Heute ist die Halbinsel Campingplatz und Gedenkstätte mit einer Gedenktafel.

Wie viele Nächte sollte man in Lüderitz bleiben?

Zwei Nächte sind sinnvoll: eine für Kolmanskop am Morgen, eine für Halbinsel, Stadt oder eine Tour ins Sperrgebiet. Der Wind bestimmt den Tag; vormittags ist es meist ruhig, nachmittags bläst es.